Ich telefoniere viel mit Maschinenbauern. KMU, 30 bis 150 Mitarbeiter, oft in zweiter oder dritter Generation. Und es gibt ein Muster, das mir in den letzten Monaten immer wieder begegnet.
Der Senior leitet noch den Betrieb. Der Junior ist seit ein paar Jahren mit drin. Und der Junior will Dinge ändern.
Warum die Nachfolge gerade jetzt spannend ist
Viele Mittelständler stehen aktuell an einer Schwelle. Die Gründergeneration aus den 70er- und 80er-Jahren geht in Rente. Die zweite oder dritte Generation übernimmt. Diese Generation ist anders sozialisiert. Sie hat studiert, oft Maschinenbau oder Wirtschaftsingenieurwesen. Sie ist mit Smartphone und Internet aufgewachsen. Sie weiß, was ein gutes Social-Media-Profil ist, weil sie selbst eines hat.
Und sie sieht, dass der Betrieb in der Außenwirkung 15 Jahre hinterherhinkt.
Die typischen Beobachtungen
Wenn ich mit einem 32-jährigen Nachfolger spreche, klingt das oft so. Die Website ist von 2009. Es gibt keinen LinkedIn-Auftritt. Stellenanzeigen werden bei der Arbeitsagentur eingestellt. Die Karriereseite besteht aus einer PDF mit Stellenausschreibung. Und es findet sich niemand mehr, der sich bewirbt.
Der Junior weiß, dass das nicht reicht. Der Senior sieht das anders. „Wir hatten immer genug Bewerbungen, was soll sich da geändert haben?" Geändert hat sich, dass die Bewerber jetzt eine andere Generation sind. Und diese Generation googelt vorher.
Wo die typischen Konfliktlinien liegen
Es geht selten um die fachliche Arbeit. Die fachliche Arbeit ist meist erstklassig, sonst hätte der Betrieb die letzten Jahrzehnte nicht überlebt. Es geht um die Darstellung. Um Marketing. Um Recruiting-Wege. Um Investitionen in Bereiche, die der Senior nie gebraucht hat.
→ Senior denkt: Wir machen gute Arbeit, das spricht sich rum → Junior denkt: Es spricht sich nicht mehr rum, weil die Leute nicht mehr fragen, sondern googeln → Senior denkt: Social Media ist Spielerei → Junior denkt: Wenn wir nicht da sind, verliert uns die nächste Bewerber-Generation komplett
Beide haben aus ihrer Welt heraus recht. Das ist das Schwierige daran.
Was Nachfolger mitbringen, was Gold wert ist
Wenn die zweite Generation den Sprung in die Sichtbarkeit wagt, passieren oft die spannendsten Entwicklungen. Weil sie eine Kombination hat, die im Markt selten ist. Sie kennt den Betrieb von innen. Sie hat in der Fertigung mitgearbeitet, sie kennt die Kunden, sie versteht das Produkt. Und gleichzeitig kennt sie die Welt da draußen. Sie weiß, wie LinkedIn funktioniert, wie Bewerber heute ticken, wo Aufmerksamkeit entsteht.
Diese Kombination ist im Markt selten. Sie ist aber genau das, was Mittelständler brauchen, um in den nächsten zehn Jahren bestehen zu bleiben.
Was du jetzt mitnehmen kannst
Wenn du gerade dabei bist, den elterlichen Betrieb zu übernehmen, oder ihn schon übernommen hast, hast du eine Chance, die deine Eltern nicht hatten. Du kannst den Betrieb in einer Form sichtbar machen, die zu deiner Generation passt. Du musst dich nicht vom Senior aufhalten lassen, aber du musst ihn auch nicht überrennen.
Der erste Schritt ist meist nicht eine große Strategie. Es ist ein einziger Drehtag, an dem zum ersten Mal Material entsteht, das den Betrieb zeigt wie er ist.